Events & Lifestyle


40 Jahre Kawasaki Z-Modelle 1972 - 2012
06.-08. Juli 2012 Hemfurth/Edersee

Frankensteins Tochter am Edersee

Anfang der 1970er Jahre wurde die Jugend selbstbewusst,
rockte auf Heavy Metal und die Halbstarken gierten nach Motorrädern.
Der Oberhammer war damals die Kawasaki 900 Z1. Der Feuerstuhl
ging  als "Frankensteins Tochter" in die Geschichte ein. Die wilde Braut
wurde zum Bestseller, zur Legende. Bei der 40-jährigen Anniversary-Party
feierten die Diva 4300 Z-Fans am Edersee.

Text&Foto: Winni Scheibe



"Parade mit über 200 Zlern"
Bei den Marken- und Club-Treffen gehören die Ausfahrten zum Standardprogramm.



"Kult-Bike"
Kawasaki 900 Z1 von 1973


The Party is over! Fast alle Gäste sind auf dem Heimweg. Prompt beginnt es zu schütten. Trotzdem, Peter Krauss lacht, eben hat man ihm die Besucherzahl gemeldet. Der 1. Vorsitzende des Z-Club-Germany e.V. ist zufrieden: "Als wir vor fast zwei Jahren mit der Planung zur Party 40 Jahre Kawasaki Z900 begannen, fanden wir schließlich beim Biker-Treff "Zündstoff" in Hemfurth am Edersee eine geeignete Location. Mit 4300 Teilnehmern und 1200 Maschinen haben sich unsere Erwartungen mehr als erfüllt. Neben vielen originalen Z900 und Z1000 Modellen aus den Jahren 1973 bis 1980 waren jede Menge Umbauten zu bestaunen. Ebenfalls willkommen waren alle Nachfolgemodelle bis zur aktuellen Z1000, um einen Bogen von vor 40 Jahren bis 2012 zu ziehen."



"Die Macher"
Peter Krauss und Andi Seiler


Auch Andi Seiler, Pressesprecher von Kawasaki-Deutschland, die das Treffen unterstützten, zog eine positive Bilanz: "Bei keinem anderen Kawasaki-Modell liegen Gegenwart und Gestern so dicht zusammen. In der aktuellen Z1000 stecken die Gene der Z1 von 1972. Aus diesem Grund werden wir im Herbst bei der Intermot in Köln die 40 Jahre Z-Modelle mit einer Ausstellung, einem Fotowettbewerb sowie weiteren Aktivitäten würdig feiern."
Die Stimmung am  Zündstoff war einfach fetzig, immer wieder war von den Besuchern viel Lob für das größte Z-Treffen, das in Europa je stattgefunden hatte, zu hören. Ein tolles Kompliment, schließlich sollte das Fest ja auch eine Zeitreise in die stürmischen 1970er Jahre werden.



"Born to be wild"

Anfang der 1970er Jahre kam ein gewaltiger Motorrad-Boom in
die Gänge. Die Kundschaft war blutjung, kaum 18 Jahre alt stand
eine schwere Maschine vor der Tür. Die Jugend motzte auf, ließ
sich nichts mehr gefallen, trug lange Haare, hörte Beat- und
Rock-Musik, die "ganz Wilden" fuhren Motorrad. Hier ein paar
Erinnerungsbilder vom Autor aus den Jahren 1970-1972
von seiner damaligen Motorrad-
Clique
 











(Fotos: Archiv-Scheibe)


Zur Erinnerung. Anfang der 1970er Jahre kam bei uns das Motorradgeschäft nach einer Talfahrt wieder in Schwung. Mächtig Wind ins Gebälk brachten die Japaner, allen vorweg Honda mit der CB750 Four, die als "Meilenstein" in die Geschichte eingehen sollte. Von Yamaha gab es flinke 250er und 350 Zweitakt-Maschinen sowie den 650er Viertakt-Twin XS-1. Suzuki lockte die Kundschaft mit den Zweitakt-Modellen T250 und T500. Ebenfalls auf pfeilschnelle Zweitakter setzte Kawasaki. Die A1 250 und A7 350 Twins verfügten über Drehschiebersteuerung, das Highlight war aber die 60 PS starke Dreizylinder 500 H1 "Mach III". Europäische Traummotorräder waren die BMW R75/5, Moto Guzzi V7, Laverda 750 und nicht zu vergessen, die schnellen Ladies von BSA, Triumph und Norton. So schnell die Briten-Bikes allerdings auch waren, so schnell waren sie auch kaputt. Ohne fachkundige Schrauberkünste war der Kradler aufgeschmissen, dazu  war die Ersatzteilversorgung mangelhaft. Mit den japanischen Bikes war dieser Alptraum vorbei. Der "traditionelle Ölfleck" unter den englischen  Motoren oder abvibrierte Bauteile gab es bei den modernen Bikes aus Nippon nicht. 


Traumbikes Anfang der 1970er Jahre


 


Honda CB750 Four


Yamaha XS-1 650



Suzuki T500



Kawasaki 500 H1 "Mach III"



Münch-4 TTS 1200



MV Agusta 750S



BSA A65SS Spitfire Mk IV Special



Triumph T150V Trident


Sehr selten und zum Teil auch unerschwinglich waren Harley-Davidson, die Münch-4 und andere Exoten wie die MVs. Das Angebot war überschaubar, Motorradwerkstätten an ein paar Händen abzählbar. Begegneten sich Motorradfahrer hob man zum Gruß die Hand oder blieb zum "Benzingespräch" stehen, bei Pannen half man sich. Autofahren kam nicht in Frage, Motorradfahren war Weltanschauung und Lebenseinstellung.
So jung wie der damalig aufkeimende Motorrad-Boom war, so jung war die Kundschaft. Kaum 18 Jahre alt stand eine schwere Maschine vor der Tür. Motorräder unter 500 Kubik wurden als "Mopeds" abgetan und Kerle über 25 mitleidig als "Opas" belächelt. Die Gesellschaft befand sich im Umbruch, die Jugend motzte auf, ließ sich nichts mehr gefallen. Der Nachwuchs trug lange Haare, verwaschene Jeans und US-Parkas. Hoch im Kurs standen neumoderne Pop- und Beat-Musik und die "ganz Wilden" fuhren Motorrad und genossen die Freiheit und Unabhängigkeit - "Easy Rider" ließ grüßen. So einen Halbstarken oder Rocker als Schwiegersohn hätte für viele Eltern den Weltuntergang bedeutet.


Nach der Honda CB750 Four 1969 wurde die Kawasaki 900 Z1
1972 zum zweiten Meilenstein in der Motorradgeschichte

Kawasaki 900 Z1 von 1973


Genau in diese Zeit platzte 1972 die Kawasaki 900 Z1. Galt die Honda CB750 Four als revolutionär, setzte die "Z1" noch einen oben drauf. Der 903 ccm Vierzylinder-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen leistete 79 PS und brachte den Feuerstuhl auf weit über 200 Sachen. Mit 7.200 DM war die neue Kawasaki zwar kein Schnäppchen, dafür bewegten sich die Z1-Treiber in einer eigenen Liga. Zum besseren Verständnis sei angemerkt, dass Kawasaki mit dem Slogan "stärker und schneller als die anderen" kräftig die Werbetrommel rührte. Es dauerte nicht lange und die "Z1" hatte ihren Spitznamen "Frankensteins Tochter" weg. Kawasaki fahren bedeutete Power und Speed, dazu gehörte Mut und Draufgängertum. Der Motor war eine Wucht, dagegen wackelte das Fahrwerk wie ein Lämmerschwanz. Nichts für Weicheier oder Warmduscher. Im Reigen der damaligen Motorradzunft waren die Kawa-Fahrer die "wilden Hunde". Sie hatten die besten Sprüche drauf, oft die schönsten  Mädchen auf dem Sozius und wenn es um die Musik ging, war Hard-Rock von AC/DC und Deep-Purple angesagt, mit den Beatles oder Beach Boys brauchte keiner kommen.


Die 40 jährige Anniversary-Party am Edersee
 wurde zum größten Z-Treffen in Europa

 



Am zweiten Juli Wochenende 2012 war es soweit. Am "Zündstoff" glühte zu Ehren Frankensteins Tochter bei der "European Kawasaki Z-Anniversary Party" der Asphalt. Der Edesee im Ferienland Waldeck liegt fast mitten in Deutschland und somit zentral für die Z-Fans. Neben zahlreichen deutschen Z-Stammtischen kamen Z-Delegationen aus Holland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Österreich und Skandinavien. Auch Besucher aus Kroatien und Japan wurden gesehen.



Kawasaki Z-Stammtisch Kassel


Für den Z-Stammtisch aus Kassel ein Campingurlaub direkt um die Ecke. Seit 10 Jahren gibt es mit gut 20 Leuten diese lockere Interessengemeinschaft, mit Vereinsmeierei hat hier keiner etwas am Hut. Initiiert wurde die Clique von Michael Wieder. Von den Z-Freunden wird er "Präs" genannt. Ein Titel, auf den er keinen Wert legt, den er aber kaum mehr los wird. Im Mittelpunkt stehen die legendären 900 und 1000 Z-Modelle aus den 1970er Jahren, aber auch der damalige Zeitgeist.


"Präsi": Michael Wieder


 Der Präsi lacht und gibt unumwunden zu: "Für uns junge Kerle drehte sich die Welt auf einmal anders. Wir widersetzten uns den Normen, trugen abgewetzte Lederjacken, feierten fetzige Parties und hörten leidenschaftlich Hard Rock von AC/DC und Deep Purple. Motorrad fahren bedeutete für unsere Generation Ausbruch aus dem verspießten Alltag, dazu ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl, Unabhängigkeit und Abenteuerlust. Unser Traumbike war die Kawa 900 Z1. Leisten konnte sie sich von uns 50er-Fahrern kaum einer, das kam erst später. Auf den Z´s beamen wir uns bei unseren Ausfahrten und bei Z-Treffen in diese wilde und emotionale Zeit zurück."


Schwer aktiv ist der Z-Stammtisch seit 2009 bei der Technorama in Kassel. Mit einer Klassiker-Ausstellung sorgen die rührigen Z-Enthusiasten für einen regelrechten Publikumsmagneten. Es wird gezeigt, erklärt, Fragen beantwortet und Benzin geredet. In einem dieser Gespräche mit Z-Vormann Peter Krauss wurde seine Idee zu einer 40-jährigen-Z1-Fete diskutiert. Mit Stefan Brede ließ sich ein Veranstalter finden, der bereit war, die Party beim "Zündstoff" am Edersee abzuhalten. Das war im Februar 2011. Was danach folgte, entpuppte sich für Peter Krauss als Kraftakt. Zahlreiche Z-Stammtische und Europäische Z-Clubs mussten kontaktiert und eingeladen werden. In persönlichen Besuchen europaweit sowie in Foren wurde intensive Werbung gemacht.
Präsi Michael schmunzelt: "Das 40jährige Z-Meeting war für uns ein Heimspiel. Mit allem ausgerüstet, was ein langes Wochenende lustig und angenehm macht, schlugen wir bereits am Donnerstagabend unsere Zelte auf."




Highway-Patrol:
Original Z1000 Police-Bike aus den USA


Der Camp-Ground glich einer Z-Sonderausstellung. Standen die originalen 900er und 1000er Z-Kawasakis aus den Jahren 1973 bis 1980 im Mittelpunkt, sorgten zahlreiche beachtenswerte Umbauten für Aufmerksamkeit. Keine Berührungsängste gab es mit allen Nachfolgemodellen bis hin zur neuen Z1000. Das Programm ließ mit Stuntshow, Probefahrten mit aktuellen Kawa-Modellen, rockiger Livemusik, Bike-Prämierung und Händler-Meile mit gut 20 Ausstellern kaum Wünsche offen. Roland Lenden, ausgewiesener Z-Experte bringt es auf den Punkt: "Für uns war es wichtig, alte Bekanntschaften zu pflegen, neue Kontakte zu knüpfen und vor allen Dingen, mit unserer Kundschaft das Jubiläum gebührend zu feiern."



Erste Adresse in der Z-Szene
Roland Lenden
Lange Str. 92
61440 Oberursel
Lenden-Z-Service



"Hochspannung"
Ralph-Peter Nagel zeigt einem Besucher seine kontaktlose Zündanlage
Fourever-Classic-Parts
Ralph-Peter Nagel
Plassweg 2
31855 Aerzen
www.fourever-classic-parts.de


Immer wieder kam es zu interessanten Begegnungen. Anton "Kawa-Toni" Wolf steht neben einer Kawasaki W2TT Scrambler von 1966 und erzählte aus seinem Leben. Bereits 1966 war er in Seligenstadt Kawasaki-Händler für das Versandhaus Neckermann in Frankfurt am Main und verkaufte die ersten 650er W1-Viertakt-Twins. Als der Hamburger Motorradgroßhändler Detlev Louis 1968 den Import übernahm, blieb er der Marke treu. Im November 1972 bekam er als einer der ersten Händler die neue 900 Super Four Z1. "Für mich war es selbstverständlich, dass ich die Z1 selbst in Hamburg per Achse abhole. Dieses Fahrerlebnis habe ich bis heute nicht vergessen. Die Z1 eröffnete uns Motorradfahrern eine vollkommen neue Welt. Noch nie gab es eine Maschine mit solch einer Kraft,  Beschleunigung, Topspeed und Sound. In meinem Geschäft stand die Kundschaft Schlange, manch einer hat mir 300 DM über dem regulären Verkaufspreis gegeben, nur um möglichst schnell an das Bike zu kommen", lässt Toni Wolf wissen.



"Alte Garde"
Anton "Kawa-Toni" Wolf von 1966 bis 2005 Kawasaki-Vertragshändler



Kawasaki W2 und W2TT Scrambler von 1966


Das erste Big-Bike von Kawasaki war allerdings nicht die Z1 sondern die W1. Das Werk brachte den 650er Twin 1966 auf den Markt. Hauptabsatzland waren neben Japan die USA und Australien. Die wenigen Maschinen, die damals nach Europa kamen, ließen sich an zwei Händen abzählen. Heute gibt es einige mehr und dazu einen treuen Fankreis. Ausgewiesener W1-Spezialist bei uns ist Ralf Gille aus Frankfurt. Keine Frage, auch er war bei der Z-Fete vertreten, gab geduldig Auskunft und erzählt allen, die es wissen wollten, was es mit der W1 auf sich hat.



Kawasaki W1-Experten
Ralf Gille und Jeannette Schulz
Motorcycles & Engineering
Feuerbachstraße 21
D-60325 Frankfurt
rgjs@arcor.de


So lebhaft die Kawasaki-Szene in der Z1-Ära war, so schillernd ist sie noch  heute. Nur mit einem Unterschied: die Herrschaften sind inzwischen durch die Bank weg 30, 40 Jahre älter geworden. An der Begeisterung für die Z-Modelle hat sich dagegen nichts geändert und Heavy Metal wird weiterhin gedudelt.


Galerie

 



.. dem gibt es nichts hinzuzufügen!




Tuning-Spezial:
Der Schweizer Fritz W. Egli baute für den
Z1-Motor eines der besten Fahrwerke



Allroundtalent:
Eine Z1000 A1 hat "Mick" in einen beachtenswerten "Road-Scrambler" verwandelt



UFO: Umgebaute Z1300



Überzeugungstäter:
Michael "Mick" ist bekennender Z-Fan







Kawasaki-Experten:
Peter Krüger (links) war bis 2012 Schulungsleiter beim Importeur,
Andi Seiler ist seit 2003 für die Pressearbeit verantwortlich






Siegerehrung:
Bei der Bike-Prämierung wurden 21 Trophäen vergeben


Kontakt


Z-Club-Germany e.V.
1. Vorsitzender
Peter Krauss
Haugweg 24
71711 Murr
www.z-club-germany.de



Z-Stammtisch Kassel


"Zündstoff" am Edersee


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