Sport


VeRa-Wintertreffen 2011
Vereinigung ehemaliger Rennfahrer

"Alte Kameraden"

Einst kämpften sie im Straßenrennsport ehrgeizig um Siege,
Podestplätze und Punkte. Das Fahrerlager und die Rennstrecke
waren am Wochenende ihr Zuhause. Damals, früher, einst.
Und weil es schon so lange her ist, erinnern sie sich
gerne an die guten alten Zeiten. Am liebsten im Kreis
ehemaliger Rennfahrerkameraden.

Text: Winni Scheibe
Fotos: Winni Scheibe, Peter Frohnmeyer



"Classic-Racing-Museum" in Jammelshofen am Nürburgring
Peter Frohnmeyer, Frithjof Erpelding, Hans-Jürgen Rothbrust


Man kann sagen, in Deutschland hat es Tradition. Haben drei Leute ein gemeinsames Hobby, gründen sie einen Verein. Ein Vorstand wird gewählt, ein Finanzwart und ein Schriftführer ernannt. Es gibt Vorstandssitzungen, Vereinsabende und selbstverständlich die gemeinsamen Aktivitäten, alles ist geregelt und hat seine Ordnung. Hans-Jürgen Rothbrust, Jahrgang 1949, lacht: "Mit so etwas braucht uns keiner kommen. Die Vereinigung ehemaliger Rennfahrer, kurz VeRa, ist eine lockere Interessengemeinschaft. Es gibt keine Vereinsregeln oder Clubsatzung und einen Vorstand haben wir auch nicht. Wer sich bei der VeRa engagiert, macht es ehrenamtlich. Um allerdings die Kosten für Porto, Telefonate und sonstige Auslagen zu decken, wird ein freiwilliger Beitrag von 10 Euro pro Anno erhoben. Das ist auch schon die ganze Bürokratie."



"VeRa-Chef" Hans-Jürgen Rothbrust


Die Fäden laufen bei Hans-Jürgen Rothbrust zusammen. Auch wenn er es überhaupt nicht gerne hört und gleich abwiegelt, er ist der "VeRa-Chef". Der 125er Jupo-Sieger von 1970 kam mit Peter Rüttjeroth 2008 auf die Idee, Ausweis-Fahrer aus den frühen 1970er Jahren für ein "Ehemaligen-Treffen" zusammen zu trommeln. Stilecht sollte das Meeting natürlich am Nürburgring stattfinden. Die Location vom "Classic-Racing-Museum" von Frithjof Erpelding in Jammelshofen war für die Veranstaltung im Januar 2009 genau der richtige Ort. Und sie kamen, brachten Fotoalben, alte Programmhefte, Ergebnislisten und jede Menge Erinnerungen mit. Manch´einer hat seit seiner aktiven Zeit die anderen aus den Augen verloren, es gab viel zu erzählen. Da es so schön war, wurde auch gleich das nächste Treffen im Sommer vereinbart. Ein Termin war schnell gefunden, das Wochenende 6.-7. Juni 2009 beim ADAC-Odenwaldring-Klassik-Flugplatzrennen in Walldürn.



VeRa-Mitglieder 2010 in Walldürn mit Honda-Star Jim Redman (hintere Reihe fünfter von links)


Zwei erfolgreiche Treffen gingen 2010 in Jammelshofen und in Walldürn  über die Bühne. "Die Idee zu dem Ehemaligen-Treffen kam richtig gut an. Um allerdings nicht nur die Jupo-Racer anzusprechen, wurde ab Sommer 2010 in Walldürn der Kreis auf DM- und WM-Rennfahrer aus den 1970er und 1980er Jahren erweitert. Ebenfalls gehören ihre Helfer und Freunde dazu", lässt Hans-Jürgen Rothbrust wissen. Der Name für die IG wurde: Vereinigung ehemaliger Rennfahrer. Als VeRa-Logo dachte man sich als Symbol einen klassischen Cromwell-Halbschalenhelm mit Fospaic-Brille aus. In die Brillengläser wurden Actionbilder von Toni Mang und Fath/Kalauch einkopiert.

 


Was vor drei Jahren mit einer Idee begann, ist längst zum Selbstläufer geworden. Dank einer guten Vernetzung über ein VeRa-Forum in Peter Frohnmeyers Internetseite Classic-Motorrad.de findet unter den VeRa-Treuen ein reger Austausch statt. Aber nicht nur das, fast so wie in einem etablierten Verein gibt es inzwischen "VeRa-Fanartikel“. Das Angebot reicht von Aufklebern über T-Shirts, Sweat-Shirts, Kapuzen-Pulli-Jacken bis zur Tasse und Kugelschreiber mit VeRa-Emblem.


Über 70 VeRa-Aktivisten folgten der Einladung
zum 3. Treffen am Nürburgring

 



Am ersten Wochenende im März 2011 trafen sich die VeRa Aktivisten bereits zum dritten Mal in Jammelshofen. Über 70 Ex-Racer und Freunde folgten der Einladung. Abgesehen vom Auftritt des E
x-Rennfahrers Gerhard Kanehl, alias Kanini, mit einer Zauber-Show, gab es kein "organisiertes" Programm. Sich treffen und über früher reden standen im Mittelpunkt. Und es gab viel zu erzählen. Maico-Guru Walter "Waldi" Nieser erinnerte sich mit einem verschmitzten Schmunzeln an illegale Ersatzteilversorgungen des MZ-Werksteams bei den WM-Läufen in Brünn und Opatija: "Damals herrschte Kalter Krieg, Ost- und Westdeutschland trennte ein fast unüberbrückbarer Grenzwall. Umso glücklicher waren die MZler über hochwertige Pleuel- und Kurbelwellenlager, wenig gefahrene Rennreifen, frisches Rennzweitaktöl und Mikuni-Vergaser. Leider hatten wir vergessen, ihnen auch die Düsensätze zu geben. Als wir uns das nächste Mal trafen, war alles komplett. Ich weiß bis heute nicht, woher sie die Düsen bekommen haben. Im Beschaffen und Organisieren waren die ostdeutschen Kollegen einfach unschlagbar."


Udo Stüsser
(Foto: Peter Frohnmeyer)


Mit einer gehörigen Portion "Schlitzohrigkeit" verwirklichte Udo Stüsser für die Saison 1983 eine geniale Idee. Nach US-amerikanischem Vorbild wollte der Kölner Rennfahrer, Langstrecken- und Viertaktfan bei uns eine Superbike-Rennserie auf die Räder stellen. "Für die OMK, Rennfahrer, Teambesitzer und Rennveranstalter war die Klasse vollkommenes Neuland. Entsprechend groß war die Skepsis. Da habe ich mir einen Trick ausgedacht. Mit unerschütterlichem Optimismus bin ich zu den Veranstaltern und habe ihnen ein volles Fahrerfeld angeboten. Das Gleiche habe ich mit den Fahrern gemacht, 12 Rennläufe wären für 1983 garantiert. Zum Schluss bin ich zur OMK und habe ihnen ein fertiges Konzept präsentiert,“ ließ Udo Stüsser in kleiner Runde in Jammelshofen wissen. Der Clou seiner Aktion war allerdings, dass in der Vorbereitungsphase keiner der Partner vom anderen etwas wusste. Der clevere Kölner bekam letztendlich alles in trockene Tücher. Udo Stüssers neue Viertakt-Rennserie bis 1000 ccm wurde ein voller Erfolg, gleichzeitig Grundstein für die IDM-Superbike-Rennen in Deutschland, und der Gesamtsieger der ersten Serie 1983 war Peter Rubatto als "Mister Superbike".


Helmut Dähne, Jahrgang 1944, betreibt Rennsport seit 1965, er ist bis heute aktiv. Der 15-fache Deutsche Meister wird auch gerne "Mister TT" oder "Mister Nordschleife" genannt. Zu Recht. 1976 gewann der schnelle Bayer auf der Isle of Man bei der TT die Production Class und 1992 fuhr er auf der Nürburgring Nordschleife mit 7:50.72 Minuten die bis heute unerreichte schnellste Runde. Zu seinen Lieblingsrennstrecken gehören die TT und die Nordschleife. Und so braucht
es nicht zu wundern, dass die Eifel schon fast sein zweites Zuhause ist. Auf die
Frage, was der größte sportliche Erfolg
war, verrät der sympathische Münchner: "Beim Jupo-Moto-Cross Endlauf 1967 konnte ich mit einer CZ360 auf den dritten Platz fahren. Für mich war das damals ein sensationelles Ergebnis. Das Offroad-Rennen habe ich bis heute nicht vergessen."


Helmut Dähne



Manfred John

Manfred John, Jahrgang 1949, fuhr seit 1968 Straßenrennen, 1981 hat er den Helm an den Nagel gehangen. Hinsichtlich der sportlichen Erfolge stand er immer etwas im Schatten seines "großen" Bruders Lothar John. Trotzdem, viele schöne Erinnerungen aus der aktiven Zeit sind geblieben. Ein Highlight war für Manfred John sein erster Sieg in der 125er Jupo-Meisterschaft 1974 auf dem Nürburgring. Dem Rennsport ist er als Veranstalter weiterhin treu geblieben und er betont:
"Zu meinem Lieblingsprojekt gehört das ADAC-Odenwaldring-Klassik-Flugplatzrennen in Walldürn. Hier treffe ich Anfang Juni die VeRa-Kumpels wieder, ich freue mich schon auf das Meeting."


Peter Hartenstein, Jahrgang 1943, fuhr von 1969 bis in die 1980er Jahre Straßenrennen. Gleich 1971 wurde er in der 350er Jupo-Klasse Vizemeister, 1972 konnte er die 350er Jupo-Meisterschaft gewinnen. Danach folgten internationale Starts, unvergessen die Zeit mit der 1000er Eckert-Honda sowie 1000er Egli-Honda in der Langstreckenmeisterschaft. 1978 wagte er mit seinem Rennkollegen Franz Josef "FJS" Schermer beim 8-Stunden-Langstreckenrennen auf dem Nürburgring ein Experiment. Mit einer Yamaha TZ354 wollten sie bei dem Meisterschaftslauf in der Klasse bis 500 ccm starten. Peter Hartenstein erinnert sich: "Dank akribischer technischer Vorbereitung und unserer guten Streckenkenntnisse gelang uns der Klassensieg. Es war für mich der schönste Rennerfolg."
Und weil es immer so schön war, beteiligt sich der schnelle "Nimmerruheständler"
seit 2009 mit einer Harrys-Yamaha TZ350 bei Klassikveranstaltungen.


Peter Hartenstein


Lothar Neukirchner


Lothar Neukirchner, Jahrgang 1959, begann 1976 seine Karriere, 1995 fuhr er sein letztes Rennen. Er gewann 1987, 1988 und 1988 die 250er DDR-Meisterschaft, 1990 wurde er Vize-Meister. Nach der Wiedervereinigung beteiligte sich der schnelle Sachse bei verschiedenen Läufen zur Motorrad-WM. Fast nahtlos setzte sich in der Familie Neukirchner mit Sohn Max der Rennsport fort. Vater Lothar tauschte die Fronten und wurde zum Förderer von Max. Nach ADAC Junior Cup, IDM und Superbike-WM ist der Junior inzwischen als Werksfahrer bei MZ in der Moto2 unterwegs. Stolz lässt Lothar Neukirchner wissen: "An solch eine Karriere war zu meinen Zeiten in der ehemaligen DDR nicht zu denken. Mit MZ hat Max nun
seine große Chance bekommen, wir drücken ihm alle Dammen."


Ingo Emmerich, Jahrgang 1950, war ab 1968 bis 1983 in der "Schnapsglasklasse" unterwegs. Schnapsglasklasse deswegen, weil der Hubraum kaum 50 ccm betrug. Fahrtechnisch waren die kleinen Flitzer nicht zu unterschätzen. Wer vorne bei der Musik dabei sein wollte, brauchte ein enormes Feingefühl, nur auf Motorleistungsreserven ließ sich nicht bauen. Auf der Piste durfte kein Zentimeter verschenkt werden, Windschattenfahren war Pflicht, jede zehntel Sekunde zählte. In diesem Metier war Ingo Emmerich zu Hause: "Ende der 1960er bis in die 1970er Jahre waren 50er Leichtkrafträder bei Jugendlichen der letzte Schrei. Allen vorweg die von Kreidler, die auch im Rennsport die Nase vorne hatten. Ein unvergessenes Erlebnis für mich war der GP-Sieg 1974 vor heimischem Publikum auf dem Nürburgring."


Ingo Emmerich


Bemerkenswert war bei allen Erzählungen die Tatsache, dass im Gegensatz zu früheren Fahrerlager-Technikdiskussionen in fast allen Geschichten die Fahrer, Helfer und Freunde im Mittelpunkt standen. Immer wieder war in den Anekdoten die Rede von außergewöhnlichem Fahrkönnen, fabelhaften Rundenzeiten, großen Heldentaten, aber auch von Schabernack und jeder menge Späßen.
Hans-Jürgen Rothbrust ist mit der VeRa-Entwicklung zufrieden und betont: "Früher war zwar nicht alles besser, aber es war anders. Rennsport war Leidenschaft und Hobby. In der Woche wurde gearbeitet, nach Feierabend die Maschine vorbereitet, die Kosten für den Sport trug jeder selbst, kaum jemand hatte einen Sponsor. Der Zusammenhalt war enorm, Kameradschaft und Hilfsbereitschaft stellten noch echte Werte dar. Viele haben den Rennhelm längst für immer an den Nagel gehangen, andere können es nicht lassen und starten bei Klassiker-Veranstaltungen. Zwar geht es hier nicht mehr so ´um die Wurst`, an guter Vorbereitung und Ehrgeiz fehlt es trotzdem nicht. Es wird wie früher geschraubt und frisiert, auf der Strecke hat man bei manchen den Eindruck, sie haben wie einst ein Messer zwischen den Zähnen. Unsere nächste VeRa-Veranstaltung findet am Wochenende 4.-5. Juni 2011 beim ADAC-Odenwaldring-Klassik-Flugplatzrennen in Walldürn statt, bei dem einige VeRa-Leute mitfahren. Und so schließt sich sogar der Kreis vom Gestern zu Heute."

Kontakt:
VeRa
Hans-Jürgen Rothbrust
Im Hostert 4 
56743 Mendig


Teilnehmer  VeRa Wintertreffen 2011

 

Helmut Dähne

Toni Gruber

Hans-Jürgen Rothbrust

Reinhard Scholtis

Peter Frohnmeyer

Roland Pörzgen

Rolf Aljes


Werner Juchem

Günther Zwafink


Jürgen Lehmann


Claus Single

Erich Zinken

Manfred John

Manfred Monreal

Manfred Woll

Gerhard Kanehl

Horst Weiden

Ingo Emmerich

Adi Ohligschläger

Hansel Müller

Helmut Mohr

Winni Scheibe

Jürgen Müller

Georg Wendel jun.

Achim Cohnen

Hans Scharenberg

Harry Barbutzki

Alois Gornik

Arno Schobloch

Siegfried Schlüter

Michael Schneider

Willi Vröls

Peter Hartenstein

Dr. Harry Niemann

Jürgen Hillen

Rudi Rupp

Oswald Vetter

Detlev Vogt

Marco Biegert


Helmut Schmitz


Stefan Jansen

Wolfgang Rubel

Karl Heinz Sondergeld

Lothar Neukirchner


Gerd Schneider

Udo Stüsser

Walter „Waldi“ Nieser

Herbert Franz 

Jürgen Karrenberg

Karl Müller

Harry Heutmekers

Alfred Schmid

Günther Weickert

Ulrich Heuer


Lothar Mülbert

Peter Fuhrbach

Klaus Zabka

Rudolf Watzling

Gottlob Schweikhardt

Erwin Eimermann

Horst Maria Kowalski

Martin Kott

Rainer Sauter

Achim Kestermann

Uli Probst

Thomas Lange

Wolfgang Tröger

Michael Wild


Franz Leser

Jan Reichel

Klaus von Buddenbrock

Rainer Gerwin

Bernd Cohnen

Wolfgang Kamradt

 


Und weitere sieben Begleiter (Rennfans) von Hansel Müller aus Ostdeutschland


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