Sport

Helmut Fath

Verstorben am 19. Juni 1993

Der Perfektionist

Helmut Fath wurde 1960 auf einer selbst getunten Einspritz-BMW
und 1968 mit seiner URS Gespannweltmeister. Geprägt war das
Leben des genialen Rennfahrers und außergewöhnlichen
Motorradkonstrukteurs von Höhen und Tiefen, von Erfolgen
und Rückschlägen. Eine vergleichbare Karriere im Rennsport
lässt sich heute wohl kaum noch finden. 

Text: Winni Scheibe
Fotos: Archiv Helmut Fath, Archiv-Münch, Archiv Frank Rönicke, Winni Scheibe



Helmut Fath
(Foto: Archiv Frank Rönicke)


Gespann-Weltmeister: Helmut Fath und Wolfgang Kalauch als Kunst-Gemälde
(Bild vom Bild: Foto Scheibe)


GP-Salzburg 1970:
Meister Fath mit den URS-Solo-Rennfahrern
Karl Hoppe und Ferdi Kaczor
(Foto: Archiv-Münch)


Helmut Fath wurde am 24. Mail 1929 in Ursenbach im Odenwald geboren. Nach seiner Schulausbildung absolvierte er eine Feinmechanikerlehre im Kaiser-Wilhelm-Institut (dem heutigen Max Planck-Institut) im nahe gelegenen Heidelberg. Den täglichen Weg zu seiner Arbeitsstelle legte Helmut Fath selbstverständlich mit dem Motorrad zurück. In seiner Freizeit beteiligte er sich an Orientierungs- und Geschicklichkeitsfahrten. Seinen ersten Rennerfolg verbuchte er 1952 mit einer 500er BMW R51 in Lorsch. In der damals bis 750 ccm ausgeschriebenen Gespannklasse belegte er den dritten Platz. Nach vier siegreichen Rennen bekam Fath 1954 die Internationale Rennfahrerlizenz. Um mit konkurrenzfähigem Material antreten zu können, kaufte er von dem Schweizer Gespannfahrer Florian Camathias einen 500er BMW RS Rennmotor. Camathias wurde später bei den Weltmeisterschaftsläufen sein größter Gegner, obwohl sie sich privat immer gut verstanden haben.
Helmut Fath konstruierte für diesen BMW Rennmotor ein extrem niedriges Fahrgestell. Um den Schwerpunkt möglichst tief zu bekommen, verwendete der Dreirad-Experte keine herkömmlichen Fußrasten, sondern Knieschalen. In dieser Position "lag" er regelrecht in seinem Gespann. So entstand eine neue Renngespann-Generation, die "Kneeler".
In der Weltmeisterschaft 1956 wurde Helmut Fath mit seinem Gespann bester Privatfahrer. Der Übermacht der Werksfahrer setzte der Ursenbacher neue Ideen entgegen. Er stattete seinen Motor unter anderem mit einer Direkteinspritz-Anlage und von ihm entwickelten Ventilfedern aus. Die Früchte seiner langjährigen Arbeit erntete Helmut Fath 1960. Mit seinem Freund und Beifahrer Alfred Wohlgemuth wurde er Gespannweltmeister.

W
ährend eines Rennens auf dem Nürburgring verunglückte er 1961, wobei sein Beifahrer Alfred Wohlgemuth getötet und er selbst schwer verletzt wurde. Nach diesem folgenschweren Unfall verkaufte der Champion seine gesamte Rennausstattung.  
Doch der Rennbazillus saß zu tief. Gemeinsam mit Dipl. Ing. Peter Kuhn, der ihm schon bei der Entwicklung seiner Ventilfedern zur Seite stand, baute der Gespannexperte einen damals revolutionären Vierzylinder-Reihenmotor und das Fahrwerk gleich dazu. Mit dem selbstgebauten URS-Renngespann und seinem neuen Beifahrer Wolfgang Kalauch wurde Helmut Fath, mit reifen 39 Jahren, 1968 zum zweiten Mal Weltmeister. Im folgenden Jahr verkaufte der Odenwäldler den gesamten Rennstall an Friedel Münch. 1971 errang sein ehemaliger Mechaniker Horst Owesele mit dem Münch-URS-Gespann den Weltmeistertitel.


Helmut Fath und Wolfgang Kalauch... 
(Foto: Archiv-Fath)


Helmut Fath und Wolfgang Kalauch
( Fotos: Archiv-Fath)



Helmut Fath und Wolfgang Kalauch wurden mit der URS 1968 Gespannweltmeister
(Foto: Archiv Frank Rönicke)

 


Horst Owesle und Peter Rutterford
1971 Gespannweltmeister auf der Münch-URS
(Foto: Archiv-Münch)


Horst Owesle
(Foto: Archiv-Münch)


I
m gleichen Jahr betreute Helmut Fath den vierfachen Weltmeister Phil Read.
Mit dem von Helmut Fath und dem jungen holländischen Ausnahme-Mechaniker Ferry Brouwer getunten 250er Yamaha Production Racer erreichte der Engländer 1971 seinen fünften Weltmeistertitel. Für die Saison ’72 waren schon alle Weichen gestellt. Der Tuner wollte den Yamaha Motor auf Wasserkühlung umstellen.
Doch Phil Read bekam aus Italien
ein verlockendes Angebot und wurde so ’73 und ’74 mit der unschlagbaren
500er MV Agusta  Weltmeister.



Meistermacher 1971:
Helmut Fath mit Champion Phil Read
(Foto: Archiv Frank Rönicke)

Anfang der 70er konstruierte und baute Helmut Fath einen wassergekühlten Vierzylinder-Zweitakt-Boxermotor. Ab 1975 setzte Siegfried Schauzu mit Beifahrer Wolfgang Kalauch den neuen Fath-Motor ein. Das von dem ARO-Teppichmulti Michael Roth gesponserte Team gewann ’76 die Deutsche Meisterschaft und wurde in der Weltmeisterschaft Fünfter.
1977 und ‘ 78 verwendete der vierfache Gespann-Vizeweltmeister Werner Schwärzel den Fath-Rennmotor, der über 126 PS leistete. Werner Schwärzel erreichte den dritten und vierten Platz in der Gespannweltmeisterschaft.
1980 verlagerte der Meister-Macher sein Engagement. Als Tuner im Nava-Kucera-Racing-Team betreute er Reinhold Roth. Mit einer 500er Suzuki konnte Reinhold Roth Deutscher Vizemeister werden. Im folgenden Jahr erreichte er auf dem von Helmut Fath vorbereiteten 250er Yamaha Production Racer den Europameistertitel. Auf der 500er Suzuki wurde er Deutscher Meister. Ab 1983 fuhr Reinhold Roth im Römer Racing Team. Helmut Fath betreute weiter seine 250er Yamaha Rennmaschine und Reinhold Roth konnte Deutscher Meister werden. Im nächsten Jahr stieg der Champion auf eine 500er Dreizylinder-Honda-Produktions-Rennmaschine um. Ohne einen Ausfall erreichte Roth mit der von Fath getunten Honda überlegen den deutschen Meistertitel.  

1985 stellte Fath sein Know-how Martin Wimmer zur Verfügung. Martin Wimmer, der im deutschen Mitsui-Racing-Team auf einem Production-Racer alle Weltmeisterschaftsläufe bestritt, konnte die 250er Saison als Vierter beenden. 1986 und ‘ 87 bekam Martin Wimmer die Möglichkeit, im Yamaha-Marlboro-Team Agostini eine 250er Yamaha Werksrennmaschine zu fahren. 

Der Ursenbacher betreute ’86 die 250er und 500er Honda-Werksrennmaschinen im Racing Team von Ex-Weltmeister Takazuni Katayama. Jean-Francois Baldé wurde mit der 250er Werksrennmaschine WM-Fünfter und Raymond Roche erreichte mit der 500er Werksmaschine den achten WM-Rang. 1987 tunte Helmut Fath den 250er Yamaha Production-Racer von Jochen Schmid, der mit diesem Motorrad die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnte. Ein Jahr später war er für die Vorbereitung der beiden 250er Yamaha Production-Racer von Martin Wimmer im Hein-Gericke-Team verantwortlich.


Martin Wimmer und Hemut Fath
(Foto:Winni Scheibe)

Dem GP-Zirkus konnte der engagierte Tuner nie Ade sagen, Rennsport und schnelle Motorräder waren für den Odenwäldler das Leben. Helmut Fath verstarb am 19. Juni 1993 im Alter von 64 Jahren. Seine URS macht ihn jedoch unsterblich.

 


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